Konferenz | 3 Januar 2021  

Netz<>Werk – LaDOC Konferenz 5.-7. März 2021

Digitale Kommunikation hat in den vergangenen Monaten ihren gesellschaftlichen Stellenwert extrem erhöht und uns alle in nie dagewesener Dauerschleife vor den Bildschirm gesetzt.
Aber wie gleichberechtigt sitzen wir vor unseren Computern, wie verteilt sich Aufmerksamkeit und wer gestaltet die digitalen sozialen Netzwerke und Räume? Mit der LaDOC- Konferenz Netz<>Werk / Radio gehen wir diesen Fragen nach, erfinden dafür ein neues Format und erlösen alle Teilnehmer*innen von Stunden vor dem Laptop.

Willkommen beim audiovisuellen Radio!

Wir laden ein zum Zuhören, ab und an auch zum Zuschauen, zum Diskutieren und Fantasieren über die Zukunft einer gerechten Teilhabe aller Menschen im Netz.

„Ein Bild abgeben“, „dieselbe Sprache sprechen“, den eigenen Worten „Gewicht verleihen“; was in der Präsenz unmittelbar zusammenspielt, muss auf digitalen Plattformen als Wirkung neu erfunden werden. Wie schneiden Frauen in diesem aufgeheizten Wettbewerb um digitale Aufmerksamkeit ab? LaDOC knüpft mit dieser Frage an die erste Konferenz Wendepunkte (2016) an, in der wir Arbeitsbiografien von Filmemacherinnen unterschiedlicher Generationen auf markante Bruchstellen untersucht haben. Damals waren wir überrascht, wie klar sich Muster zeigten. Welche Muster sind jetzt gerade im Begriff sich zu verfestigen? Die Erweiterung der sozialen Welt ins Digitale eröffnet Möglichkeiten, die von Frauen und für Frauen genutzt werden können, aber auch solche einer massiven Landnahme gegen Frauen.

Algorithmen tragen sexistische und rassistische Vorurteile ins Netz, wo sie bestehende Machtverhältnisse verstärken oder gar neu beleben.

Die begeisterte WIKIPEDIAnerin Elke Wetzig beschreibt, wie Relevanz der Arbeit von Frauen durch Sprache geschaffen werden kann, und die ehemalige GRÜNEN-Abgeordnete Christa Nickels, wie sie ihre Sprache im Deutschen Bundestag politisch durchsetzen konnte.

Die Medienphilosophin Ariana Dongus spricht über Maschinenintelligenz und Technologie als gesellschaftliche Aktivität und Fatima Fay Kastner, Professorin für Globalisierungsdiskurse und digitale Transformation, analysiert, wie mit dem Anschluss an das digitale (Arbeits-)leben der Ausschluss einzelner Bevölkerungsgruppen einhergeht.

Katrin Fritsch und Helene von Schwichow vom Thinktank MOTIF fordern uns auf, Science-Fiction Erzählungen unserer digitalen Zukunft zu schreiben, in der Teilhabe und Diversität selbstverständlich sein können.

Die Gespräche und der Workshop werden begleitet von einem popfeministischen Musikprogramm der Kulturpoetin Anna Seidel.

Die Filmkuratorin Madeleine Bernstorff wendet das Radioprogramm mit einer Kurzfilmauswahl immer wieder ins Visuelle.

Wie nebenbei entstehen so Raum und Zeit für unsere eigene Zukunft!

 

netzwerk

Unsere Gäste:

Madeleine Bernstorff ist Kulturproduzentin, Filmkuratorin, Autorin, Super8-Filmerin, Lehrende. Sie beschäftigt sich u.a. mit dem Kino der Avantgarden und der Widerstandsbewegungen in Verbindung mit feministischer Filmtheorie und schreibt als freie Autorin für die taz, die Jungle World und den Tagesspiegel. Sie ist Mitglied der Auswahlkommission der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Für Netz<>Werk wird sie das Radioprogramm der Konferenz mit drei Kurzfilmprogrammen ins Visuelle erweitern.

Ariana Dongus, Doktorandin und Dozentin an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (ZKM), erforscht Überschneidungspunkte biometrischer Maschinen mit kolonialen Vergangenheiten, neuen Arbeitsformen und Maschinenintelligenz. Für die Konferenz setzt sie einen Fokus auf das unsichtbar gemachte Wissen von Frauen und die Bedeutung des globalen Südens für die Entwicklung digitaler Systeme. Technologie definiert sie als gesellschaftliche Aktivität und informationelle Selbstbestimmung als ein Menschenrecht.

Prof. Fatima Fay Kastner lehrt Globalisierungsdiskurse und digitale Transformation an der Kunsthochschule für Medien Köln. Sie spricht über das von ihr mitentwickelte Graduierten-Kolleg „Anschließen – Ausschließen“, in dem sie sich mit kulturellen Praktiken jenseits globaler Vernetzung befasst. Sie untersucht, wie mit dem allseits geforderten Anschluss an das digitale (Arbeits-)leben immer auch ein Ausschluss einzelner Bevölkerungsgruppen einhergeht.

Katrin Fritsch und Helene von Schwichow beraten mit ihrem unabhängigen Thinktank MOTIF Organisationen und politische Entscheidungsträger*innen zu nachhaltigen Technologien und übersetzen komplexe Fragen des digitalen Zeitalters in umsetzbare Formate. Für die Konferenz bringen sie ihren feminist future workshop als Stream mit. Die aktive Teilnahme durch Schreiben einer Zukunftsvision ist erwünscht, denn: „Die digitale Zukunft beginnt damit, dass wir sie uns vorstellen.“

Christa Nickels, GRÜNEN-Abgeordnete des Bundestags der ersten Stunde und ehemalige Staatssekretärin: Mit ihr werfen wir einen Blick zurück. Die GRÜNEN-Frauen haben Mitte der 80er Jahre neue Formen der Kommunikation in die bundesdeutsche Politik gebracht. Sie haben bestehende Codes gebrochen und sind erfolgreich in eine hermetische Männerwelt vorgedrungen. Welche Strategien von damals lassen sich auf digitale Machtverhältnisse übertragen?

Anna Seidel ist Literaturwissenschaftlerin und Kulturpoetin an der Universität in Münster und arbeitet vorwiegend zu Avantgarden, Manifesten sowie zum Popfeminismus. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift testcard – beiträge zur popgeschichte und schreibt als freie Autorin unter anderem für das Missy Magazine und die Jungle World. Sie hat ein Faible für Kanada, fürs Schallplatten-Sammeln und Musik-Dokumentationen. Für Netz<>Werk gestaltet sie ein feministisches Musikprogramm.

Elke Wetzig ist IT-Expertin und leidenschaftliche WIKIPEDIAnerin. Sie ist u.a. Mitinitiatorin des Projekts Edit-a-thon. 100 Tage lang, bis zum Internationalen Frauentag 2021, schreibt ein Team aus 20 Schreiber*innen Wikipedia-Einträge über Frauen, denn die größte digitale Enzyklopädie Wikipedia ist von Männern geprägt: 90% der Autor*innen sind Männer. Auf deutschsprachigen Seiten sind nur 16% der Biografien über Frauen. Elke Wetzig wird im Rahmen von Netz<>Werk einen Workshop durchführen, in dem die Teilnehmer*innen lernen können, wie Wikipedia geht. Und sie wird über Kriterien, Mechanismen und Entscheidungsstrukturen, die zu diesem Ungleichgewicht bei Wikipedia führen, erzählen.

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos, um freien Zugang für jede*n zu ermöglichen. Zur Anmeldung.

Der Wikipedia-Workshop findet am Samstag, den 27.2. von ca. 10-15 Uhr statt. Bitte meldet euch unter infoätladoc.de an. Er ist ebenfalls kostenfrei.

Spenden sind willkommen. Wir konnten zwar öffentliche Gelder für unsere Konferenz gewinnen, trotzdem ist unsere Arbeit zum großen Teil ehrenamtlich. Wenn ihr uns unterstützen wollt, könnt ihr uns direkt über paypal oder Kreditkarte einen beliebigen Betrag spenden oder meldet euch bei uns unter infoätladoc.de. Danke! 

Alle Spender*innen nennen wir auf Wunsch namentlich. Bei größeren Beträgen veröffentlichen wir gerne ein Logo.

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Wir danken ganz herzlich unseren Förder*innen.

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Und mit freundlicher Unterstützung durch das Gleichstellungsbüro der KHM.

 

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